Geschichte

Die Geschichte der Handglocken

Die Geschichte der Glocken kann bis zu tausenden von Jahren vor Christi Geburt zurückverfolgt werden. Die ältesten Glocken stammen von den chinesischen Gräbern der Shang Dynastie (1766 – 1122 v.Ch.) Diese Glocken waren ein Set von 5, die geheiligte Zahl der Chinesen. Sie glaubten, dass man über die Musik die Harmonie zwischen Himmel und Erde ausdrücken könnte.

Die häufigere Verbindung zu Glocken bezieht sich jedoch auf das Christentum. Früher wurden Glocken in der Kirche zu vielen Anlässen verwendet – böse Geister zu verscheuchen, Krankheiten zu heilen und sogar beim Schwören von Eiden. Bis in das 19. Jahrhundert schworen in Teilen Irlands die Menschen den Eid noch auf Glocken.

Es war die Konvertierung von Konstantin im 4. Jahrhundert, die den Impuls für das Glockengeläut gab. Die Christen mussten sich nicht mehr heimlich treffen und man überlegte sich eine Methode, die Menschen zum Gottesdienst zu rufen. Der Bischof von Nola, Campania (Italien) plante zu diesem Zweck, eine Glocke in einem Turm aufzuhängen. Seit dieser Zeit verwenden wir nun das Wort ‚Campanile‘ welches bedeutet, ein Turm für die Beherbergung von Glocken und ‚campanology‘ die Technik des Glockenklangs.

Zusätzlich, mit Hilfe der Glocken die Menschen zum Gottesdienst zu rufen, ordnete Papst Sabiniamus um 600 v.Ch. an, dass alle Kirchen eine Glocke läuten lassen, um die Messe anzukündigen. Wahrscheinlich als Folge des päpstlichen Dekrets, brachte der Abt von Warmouth die erste Glocke von Italien nach England im Jahre 680 v.Ch.
So halfen in England und auf dem Kontinent auch Papst Johannes IX. und William der Eroberer bei der Verbreitung von Glocken in Kirchen. Da die Campanile meist groß waren und auf Hügeln standen, zeigte Papst Johannes IX. seine Wetterkenntnisse, indem er anordnete, Glocken aufzuhängen um Gewitter fernzuhalten! Und da das Glockengeläut in großer Entfernung zu hören war, führte William der Eroberer das Läuten der Glocken als Zeichen der Sperrstunde und zum Löschen der Feuer ein.

Mit der Verbreitung der Glocken ergab sich aber ein großer Kontrast. In Italien waren die Campanile separate Glockentürme, während in England neuere Kirchen ihre Glockentürme als Teil der Kirchenstruktur einbauten. Jetzt, wo die Glocken in der Nähe der Menschen waren, erzeugte ihr Ton Missfallen. Im 7. und 8. Jahrhundert begannen Klöster, nahtlose Glocken aus Bronze zu gießen, um die unschön klingenden Glocken aus Blech zu ersetzen. Die Technik wurde soweit vervollkommnet, dass Glocken Töne erhielten, und man Glockensets für einfache Melodien verwenden konnte.

Da Glocken zu dieser Zeit in verschiedenen Tonlagen entwickelt wurden, entstand ein neues Instrument. Es war ein Set kleinerer Glocken mit Griffen, aufgehängt an einem Ständer oder einer Querstange. Die Glocken waren ‚tot‘, da kein innerer Mechanismus (Klöppel) verwandt wurde. Hingegen wurde der Ton durch das Anschlagen an das Äußere der aufgehängten Glocke mit einem Schlegel erzeugt. Dieses Instrument nannte man Karillon.

Ein wichtiger Faktor in der Weiterentwicklung der Handglocken kam ca. hunderte von Jahren später, im 14. Jahrhundert. Um die Töne auf einem Karillon zu erzeugen, änderte man das Außenanschlagen mit einem Schlegel in das innere Anschlagen durch einen eingebauten Mechanismus (Klöppel) .Der Klöppel wurde mit einem Keyboard verbunden, welches beim Schlagen wiederum den Ton hervorbrachte. Diese Verbesserung erleichterte das Spielen des Karillon und brachte die kleiner gegossenen Glocken in ihrer Entwicklung einen Schritt vorwärts.

In der Weiterentwicklung von Handglocken ist ein Aspekt des Glockenschlagens an diesem Punkt wichtig zu erwähnen, der in England im späten 16. Jahrhundert begann. Die Ancient Society of Collage Youth wurde 1637 gegründet. Sie war sehr stolz, schwierige mathematische Fortschritte in Kirchtürmen zu erlernen und darzustellen. Bekannt als Wechselgeläut verbreitete sich diese Art im 18. Jahrhundert und wird von Glöcknern heute noch in der ganzen Welt praktiziert.

Aber es hatte auch seine Nachteile. Die Turmglocken waren laut und lange Übungszeiten störten die Einwohner. Das Erscheinen von kleinen gestimmten Handglocken-Sets, um 1700 entwickelt, um mit der Hand geläutet zu werden, löste dieses Problem. Nun konnten sich die Glöckner in einem Klassenzimmer oder Pub treffen, um ihre Fortschritte zu üben, ohne dabei andere Einwohner zu stören.

Es dauerte für die Glockenspieler nicht lange, Zufriedenheit, nicht nur beim Wechselgeläut, sondern auch beim Melodiegeläut, zu finden. Durch eine Steigerung in der Nachfrage für Handglocken und Melodiegeläut wurde 1772 die vertikale Drehbank entwickelt, die das Herstellen der Handglocken erheblich verbesserte und eine Zahl von Übertönen (teilweise) reduzierte. Hertford Foundry und White Chapel Foundry stellten viele Handglocken her, so dass das Melodiegeläut in England im 19. Jahrhundert ziemlich populär wurde.

In Amerika tauchten Handglocken das erste Mal in der Mitte des 18. Jahrhunderts auf. 1847 reiste P.T. Barnum nach England, wo er die Lancashire Bell Ringers spielen hörte. Von ihrem Auftritt beeindruckt, engagierte er sie für Amerika. Um größeres Interesse zu erwecken, waren sie als ‚Schweizer Glockenspieler‘ angezogen und angekündigt. Der Irrtum, dass Handglocken ihren Ursprung in der Schweiz haben, kommt wahrscheinlich von dieser Reklameidee.

Ungefähr zur gleichen Zeit führte die William Peak Familie -eine Variete Truppe- Handglocken vor. Es gibt keinen Beweis, dass sie weder von den Glocken über Barnum hörte, noch sie von ihm erhielt. Sie traten mit 129 Glocken und 12 Spielern auf. Eine andere berühmte Gruppe, die Royal HandbeIl Ringers von England, reiste um 1880 mit 5 Mann, die 131 Glocken spielten, durch Amerika.

Als das Variete verschwand, ließ das Spektakuläre einiger Leute, viele Glocken zu spielen, schnell nach. Glockenspielen hätte in den Staaten völlig aufgehört, wäre da nicht Dr. Arthur Nichols gewesen. Während er England besuchte, interessierte er sich am Wechselspiel. Zurückgekehrt in die Staaten, gründete er 1895 die ‚Old Colony Guild of Handbell Ringers’ die nur gegründet wurde, um Wechselspiel zu erlernen. Seine Tochter Margaret war eine der ersten Spielerin. Später ergab sich die Gelegenheit nach England zu gehen, um dieses Präzisions-Spiel zu erlernen. Nach ihrer Heirat – als Margaret Shurcliff- gründete sie ihren ersten Glockenchor mit ihren 5 Kindern. Als mehr Menschen über Glocken von ihr erfuhren, und ihr Wissen und ihre Erfahrungen anderen weitergaben, erachtete es Margaret als notwendig, eine Organisation für Glockenspieler zu bilden. 1937 wurde die „New England Guild of Handbell Ringers“ ins Leben gerufen. 17 Jahre später, also 1954 folgte „The American Guild of English Handbell Ringers”. Heute gibt es ungefähr 6300 Mitglieder, ungefähr 10 Mal so viele vertreten diese Anzahl.

Obgleich der Großteil der Glockenchöre in Amerika Teil der Kirchen sind, fügen immer mehr Schulen Handglocken als Teil ihrem Lehrplan bei.

Die Handhabung von Handglocken breitet sich über das Land mit aufregendem und begeisterndem Echo aus!